Steuern auf Gewinne beim Verkauf von Bitcoins und anderen Kryptowährungen

Die steuerliche Behandlung der Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoins ist in Deutschland noch ungewiss. Es bestehen bislang keine Grundsatzentscheidungen deutscher Finanzgerichte zum steuerlichen Umgang von Bitcoins und anderen Kryptowährungen.

Allerdings hat sich der europäische Gerichtshof in einem Verfahren zur Frage der Umsatzsteuer ausführlich mit der Einordnung von Bitcoins beschäftigt.

Bitcoin-Mining

Dabei hat der EuGH im Urteil vom 22.10.2015 C-264/14, Hedquist die Kryptowährung Bitcoin als „vertragliches Zahlungsmittel“ und „virtuelle Währung“ bezeichnet. Es wurde nicht bezweifelt, dass die virtuelle Währung „Bitcoin“ keinem anderen Zweck als dem der Verwendung als Zahlungsmittel dient und dass die virtuelle Währung Bitcoin in dieser Eigenschaft von bestimmten Wirtschaftsteilnehmern akzeptiert wird. Weiterhin wurde im Urteil festgestellt, dass die virtuelle Währung „Bitcoin“ weder ein Wertpapier darstellt, das ein Eigentumsrecht an juristischen Personen begründet, noch ein vergleichbares Wertpapier darstellt.

Auch wenn die Grundsätze dieses Urteils nur für Zwecke der Umsatzsteuer gelten, ist doch zu erwarten, dass sich die Rechtsprechung deutscher Finanzgerichte an dieser Einordnung des EuGH orientiert und zu dem selben Ergebnis kommt.

Nachfolgend soll dargestellt werden, zu welchen ertragsteuerlichen Folgen diese Einordnung nach dem deutschen Steuerecht führen würde.

Bitcoin und andere Kryptowährungen als Zahlungsmittel

Die Einordnung der Bitcoins als Zahlungsmittel und die gleichzeitige Abgrenzung der Bitcoins von den Wertpapieren führt dazu, dass Gewinne aus dem Ankauf und Verkauf von Bitcoins und anderen Zahlungsmitteln nicht unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG fallen.

Allerdings werden sog. Guthaben in anderen Zahlungsmitteln als dem Euro (sog. Fremdwährungsguthaben) als „andere Wirtschaftsgüter“ von der Vorschrift der sonstigen Einkünftedes § 23 EStG erfasst.

Der Vorteil der Einordnung der Ktyptowährungen in die Vorschrift des § 23 EStG liegt darin, dass Gewinne aus Kurssteigerungen nach Ablauf eines Sperrjahres steuerfrei sind. Wird also nach dem Ankauf der Kryptiowährung ein Jahr gewartet, sind die erzielten Gewinne steuerfrei. Würden die Kryptowährungen unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG fallen, wären Kursgewinne immer steuerpflichtig, auch wenn ein Jahr gewartet wird, bis verkauft wird.

Wann ist die 1-Jahresfrist beim Verkauf von Bitcoins erreicht?

Die Veräußerung von Bitcoins und anderen Kryptowährungen, die mit klassischen Zahlungsmitteln vergleichbar sind, ist somit steuerfrei, wenn seit der Anschaffung ein Jahr verstrichen es.

Problematisch hieran ist jedoch festzustellen, wann dieser Zeitraum verstrichen ist.

Wurden die Bitcoins nicht alle auf einmal angeschafft, sondern nach und nach zu verschiedenen Zeitpunkten, gilt es im Fall der Veräußerung die Frage zu beantworten welche Bitcoins aus welchem Anschaffungsgeschäft nun tatsächlich veräußert wurden.

Zur Beantwortung dieser Frage sieht das deutsche Steuerrecht die Anwendung verschiedener sog. Verbrauchsfolgeverfahren vor. Hier kommt zum Beispiel das

  • sog. „First-in-first-out“ Verfahren (kurz: „fifo“),
  • sog. „last-in-first-out“ Verfahren (kurz: „lifo“) oder
  • ein Verfahren der Durchschnittsbewertung

zur Anwendung.

Aus Sicht der Steuerpflichtigen wäre die Anwendung des Lifo-Verfahrens oder eines Verfahrens der Durchschnittsbewertung oft von Vorteil, da mit einem Teil des Bestands an Kryptowährungen weiter gehandelt werden kann, wobei der andere (zuerst angeschaffte Teil) im Bestand bleiben kann und nach Ablauf der 1-jährigen Spekulationsfrist steuerfrei veräußert werden kann.

Die Anwendung des Fifo-Verfahrens ist regelmäßig nachteilig, da immer die zuerst angeschafften und damit bereits am längsten gehaltenen Teile der Währung als veräußert gelten.

Die Überschreitung der 1-jährigen Spekulationsfrist, nach der die Veräußerung steuerfrei erfolgen kann, ist somit bei Anwendung des Fifo-Verfahrens am schwierigsten.

Das deutsche Steuerrecht schreibt in § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG eindeutig die Anwendung des Fifo-Verfahrens (first-in-first-out) für die Veräußerung von mehreren gleichartiger Fremdwährungsbeträgen vor.

Wie oben dargestellt geht die Einordnung des EuGH der Bitcoins dahin, dass es sich bei Kryptowährungen um „vertragliche Zahlungsmittel“ und den klassischen Währungen vergleichbaren „virtuellen Währungen“ handelt.

Dementsprechend sind Kryptowährungen meines Erachtens gegenüber dem in Deutschland vorrangigen Zahlungsmittel „Euro“ als „Fremdwährung“ zu werten.

Zu dieser Auffassung kommt es meines Erachtens auch bei Auslegung des allgemeinen Anwendungsschreibens zum Umgang mit Fremdwährungen des Bundesministeriums der Finanzen vom 25.10.2014 (BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 42).

Die ertragsteuerliche Folge aus dieser Einordnung ist, dass nach der Vorschrift des § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG zwingend das Fifo-Verfahren bei der Veräußerung von Kryptowährungen anzuwenden ist.

Zu beachten ist, dass die zwingende Anwendung des Fifo-Verfahrens für Fremdwährungsgeschäfte in § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 EStG erst mit dem KroatienAnpG vom 25.07.2014 mit Wirkung ab dem Steuerjahr 2014 eingeführt wurde. Aus diesem Grund finden sich in älteren Aufsätzen und Hinweisen zur steuerlichen Behandlung zum Handel von Fremdwährungen oder Kryptowährungen möglicherweise noch abweichende Auffassungen.

Ab dem Jahr 2014 ist die zwingende Anwendung des Fifo-Verfahrens auf Fremdwährungshandelsgeschäfte – zu denen meines Erachtens auch der Handel mit Kryptowährungen zählt – jedenfalls gesetzlich fest vorgeschrieben.

Tausch von verschiedenen Kryptowährungen (z. B. Litecoins in Bitcoin oder Bitcoin in IOTA)

Durch den Umtausch von Euro in eine andere (virtuelle) Währung – wie zum Beispiel Bitcoin, Litecoin oder IOTA kommt es zur Anschaffung eines Wirtschaftsgutes „Fremdwährungsguthaben”. Der Rücktausch dieses Fremdwährungsguthabens in Euro sowie der Umtausch dieses Guthabens in eine andere Fremdwährung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung ist als privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG einkommensteuerpflichtig (Siehe BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 42).

Wird also ein Bestand an Kryptopwährungen verwendet, um diesen in eine andere Kryptowährung einzutauschen, liegt ein steuerpflichtiger Verkauf vor (soweit noch nicht ein Jahr rum ist).

Der Umtausch von Bitcoin in Litecoin, IOTA oder andere Kryptowährungen sowie umgekehrt kann also eine Besteuerung mit Einkommensteuer auslösen.

Verluste aus dem Handel mit Bitcoins steuerlich geltend machen

Werden aus dem Handel mit Bitcoins Verluste erzielt, weil der Einstiegskurs unter dem Verkaufskurs liegt, können dieses Verluste steuerlich geltend gemacht werden.

Entscheidend für die steuerliche Behandlung ist – ebenso wie bei Gewinnen – die Haltefrist. Verluste werden also nur berücksichtigt, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als 1 Jahr liegt.

Soweit Verluste aus dem Verkauf von Kryptowährungen erzielt wurden ist grundsätzlich festzustellen, dass die Verluste nicht mit anderen Einkünften (z. B. als Angestellter, Freiberufler oder Gewerbetreibender) verrechnet werden dürfen. Nur mit anderen privaten Veräuerßungsgeschäften dürfen die Verluste verrechnet werden.

Mit einer Steuererstattung aufgrund erzielter Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen darf somit regelmäßig nicht gerechnet werden. Nur falls auf der anderen Seite Gewinne aus dem Verkauf von anderen (Krypto-)Währungen oder anderen Wirtschaftsgüter wie z. B. Grundstücken erzielt wurden können die Verluste steuerlich genutzt werden.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass erzielte Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen eines Jahres in zukünftige Steuerveranlgungszeiträume vorgetragen werden dürfen (Verlustvortrag) und in den unmittelbar davorliegenden Steuerveranlagungszeitraum zurückgetragen werden können (Verlustrücktrag).

Beispiel

Im Jahr 2017 werden aus dem kurzfristigen Handel (innerhalb von 1 Jahr) Gewinne durch den An- und Verkauf von Bitcoins erzielt. Diese müssen zunächst in der Steuererklärung 2017 angegeben werden und mit der Steuerveranlagung 2017 versteuert werden.

Im nächsten Jahr 2018 werden aus dem kurzfristigen An- und Verkauf von Bitcoin insgesamt Verluste erzielt. Diese Verluste können in die Steuerveranlagung 2017 zurückgetragen werden, so dass es zu einer Steuererstattung für das Jahr 2017 kommt.

Soweit sich die Verluste des Jahres 2018 aus einer anderen Kryptowährung (z. B. Litecoin oder IOTA) ergeben, wäre eine Verrechnung mit den Gewinnen aus der Veräußerung der Bitcoins im Jahr 2017 ebenso möglich

## Darlehensverträge in Bitcoin und anderen Kryptowährungen

Wird ein Darlehen in Bitcoins oder einer anderen Kryptowährung gegeben ist eine Trennung zwischen der Einkommens- und Vermögensebene vorzunehmen.

Vermögensebene

Die Begründung einer Forderung in Fremdwährung (z.B. Bitcoin) und anschließende Einlösung dieser Forderung ist kein privates Veräußerungsgeschäft i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.

Auch die Rückzahlung eines Fremdwährungsdarlehens innerhalb eines Jahres seit Abschluss des Darlehensvertrages führt nicht zu einem steuerpflichtigen privaten Veräußerungsgewinn i.S.d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.

Währungskursschwankungen sind hier also grundsätzlich unbeachtlich. Denn Fremdwährungsbeträge, die aus Forderungen resultieren können mangels Anschaffung i. S. d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG kein steuerbares privates Veräußerungsgeschäft auslösen (Vgl. BFH-Urteil vom 2.5.2000, BStBl II 2002 S. 614; BMF, 25.10.2004, IV C 3 – S 2256 – 238/04, Rz. 44;)

Einkommensebene

Hingegen sind die Zinsen für das Darlehen, welche an den Darlehensgläubiger zu leisten sind als steuerpflichtiges Einkommen zu behandeln.

Die Zinsen sind beim Darlehensgläubiger als Einkünfte aus Kapitalvermögen gem. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu erfassen. Hierzu hat eine Umrechnung der in Bitcoin etc. geleisteten Zinsen in Euro zu erfolgen.

Bitcoin-Mining

Lesen Sie im Artikel über steuerlichen Folgen beim Bitcoin-Mining..

BITCOIN MINING – WAS GILT STEUERLICH?

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