Kosten für ein Studium im Ausland steuerlich geltend machen

Aufwendungen für ein Studium sind hoch. Neben hohen Studiengebühren insbesondere an privaten Hochschulen kommen bei einem Studium im Ausland weitere Kosten wie Reisekosten, Unterkunftskosten usw. hinzu.

Gerade bei einem Studium im Ausland sollte deshalb berücksichtigt werden, ob die Studienkosten steuerlich geltend gemacht werden können. Hieraus können hohe Steuereinsparungen oder Steuererstattungen resultieren.

Studienkosten als Werbungskosten steuerlich geltend machen

Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen können nach i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dabei müssen die Aufwendungen durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sein.

Hierzu muss ein objektiver Zusammenhang mit dem ausgeübten oder später auszuübenden Beruf bestehen und die Aufwendungen müssen subjektiv zur Förderung des Berufs getätigt werden.

Diese Voraussetzungen sind beispielsweise erfüllt, wenn ein Bankmitarbeiter ein ergänzendes Studium der Betriebswirtschaftslehre aufnimmt oder einen MBA im Bereich Betriebswirtschaftslehre absolviert.

Problematisch können beispielsweise Fälle sein, in denen ein Bankmitarbeiter ein Theologie- oder Philosophiestudium aufnimmt.

Werbungskosten als Verlustvortrag berücksichtigen

Werbungskosten können auch dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Steuerpflichtiger gegenwärtig noch keine Einnahmen erzielt. Es entstehen dann negative Einkünfte. Diese negativen Einkünfte werden vom Finanzamt als Verlustvortrag festgestellt. Werden später – nach Abschluss des Studiums – hohe Einnahmen z. B. aus einer Angestelltentätigkeit als Führungskraft erzielt, können die Verlustvorträge mit diesen steuerpflichtigen Einnahmen verrechnet werden, wodurch sich Steuern sparen lassen.

Aufwendungen für das Studium sind als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar, wenn sie in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Veranlassungszusammenhang mit späteren Einnahmen stehen (ständige Rechtsprechung, s. etwa Senatsurteil vom 27. Oktober 2011 VI R 52/10, BFHE 235, 444).

Aufwendungen für ein Studium (Studienkosten) sind somit in vollem Umfang als vorab entstandene Werbungskosten abzuziehen, wenn ein konkreter Zusammenhang mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen besteht, also wenn beabsichtigt wird, später einen Beruf aufgrund des Studiums auszuüben (BFH Urteil vom 17.12.2002 – VI R 137/01; BFH Urteil vom 22.07.2003 – VI R 4/).

Kosten für das Erststudium oder die Erstausbildung sind nicht als Werbungskosten abziehbar

Nach einigen Entscheidungen der Rechtsprechung des BfH und darauffolgenden Änderungen Gesetzesänderungen dürfen nur noch Aufwendungen für ein Zweitstudium steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Fallen Aufwendungen für ein erstes Studium (Erststudium) an, besteht keine Möglichkeit die Kosten als Werbungskosten zu Berücksichtigen. Allerdings lässt § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG den Abzug der Kosten für ein Erststudium als Sonderausgaben bis zur Höhe von 6.000 Euro zu. Der Nachteil an der Berücksichtigung von Kosten als Sonderausgaben liegt darin, dass die Kosten ausschließlich in dem Jahr steuerlich berücksichtigt werden können, indem die Kosten angefallen sind. Eine Verlustvortrag von Aufwendungen für ein Erststudium in spätere Steuerveranlagungszeiträume oder ein Verlustrücktrag in den vorherigen Veranlagungszeitraum ist nicht möglich.

Bei den Aufwendungen für ein Zweitstudium hingegen besteht diese Möglichkeit des Verlustrücktrags bzw. Verlustvortrags.

Ein steuerbegünstigtes Zweitstudium liegt immer dann zweifelsfrei vor, wenn vorher bereits ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen worden ist. Das trifft in jedem Fall zu aufpostgraduale Zusatz-, Ergänzungs- und Aufbaustudien, welche als Zulassungsvoraussetzung den Abschluss eines ersten Studiums vorsehen.

Besonderheiten bei Studium im Ausland

Halten sich Studierende für das Studium im Ausland auf, ergeben sich ggf. Einschränkungen bezüglich des Abzugs von Werbungskosten im Zusammenhang mit dem Auslandsstudium.

In Deutschland wird zwischen der unbeschränkten- und beschränkten Einkommensteuerpflicht unterschieden.

Die unbeschränkte Einkommensteuerpflicht liegt vor, wenn ein Steuerpflichtiger in Deutschland seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Der Wohnsitz erfordert das Innehaben einer Wohnung in Deutschland.

Der gewöhnliche Aufenthalt erfordert einen Aufenthalt von mehr als 6 Monaten im Jahr in Deutschland.

Unter gewissen Umständen kann auch bei einem Aufenthalt unter 6 Monaten im Jahr noch von einem gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland ausgegangen werden.

Bei ganzjährig im Ausland Studierenden liegen die Voraussetzungen eines Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthaltes in Deutschland regelmäßig nicht vor.

Im Ausland Studierende gelten deshalb in Deutschland nicht als unbeschränkt Steuerpflichtig, sondern nur als beschränkt Steuerpflichtig. Soweit Einkommen z. B. aus einer Arbeitstätigkeit im Ausland erzielt wird, hat diese Einordnung Vorteile, da keine Besteuerung in Deutschland stattfindet.

Wenn es aber darum geht (vorweggenommene) Werbungskosten geltend zu machen, kann die „nur“ beschränkte Steuerpflicht gegenüber der unbeschränkten Steuerpflicht Nachteile mit sich bringen.

Denn im Rahmen einer beschränkten Einkommensteuerpflicht dürfen nach § 50 Abs. 1 Satz 1 EStG Werbungskosten nur mit andere inländischen Einkünften verrechnet werden.

Das heißt, die Werbungskosten aus dem Auslandsstudium in Form der Studienkosten, Reisekosten, Übernachtungskosten etc. wirken sich in Deutschland steuerlich nur dann aus, wenn auch im selben Jahr in Deutschland steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden (z. B. aus einer in Deutschland ausgeübten Angestelltentätigkeit).

Eine Feststellung der Studienkosten als Werbungskosten und die Feststellung eines Verlustvortrags wegen entstandener negativer Einkünfte scheidet deshalb bei einer beschränkten Steuerpflicht aus.

Nach dem aktuellen Stand der Rechtsprechung besteht allerdings die Möglichkeit, die Kosten in dem Jahr der Rückkehr nach Deutschland insgesamt steuerlich geltend zu machen.

Hierzu ist insbesondere auf das Urteil vom Finanzgericht München (8-K-3952/05, vom 27.07.2007) zu verweisen. Es wurde festgestellt, dass wenn eine Berücksichtigung von vorweggenommenen Werbungskosten in Deutschland mangels Aufenthalt in Deutschland nicht möglich, die Berücksichtigung der Werbungskosten im Jahr der Rückkehr des Studenten nach Deutschland möglich sein muss.

Ergebnis und Empfehlung

Die steuerliche Berücksichtigung von Kosten für ein Auslandsstudium ist in Deutschland möglich, soweit es sich um ein Zweitstudium handelt.

Hierdurch lassen sich Steuern vor allem dadurch sparen , dass zukünftige Einkünfte mit den Verlusten aus dem Studium verrechnet werden können und für die zukünftigen Einkünfte somit in Höhe der vorhandenen Verluste keine Einkommensteuern gezahlt werden müssen.

Bei ganzjährigen Aufenthalt im Ausland können die Kosten für das Auslandsstudium nicht im selben Jahr steuerlich berücksichtigt werden, da keine unbeschränkte Einkommensteuerpflicht in Deutschland gegeben ist.

Erst im Jahr der Rückkehr nach Deutschland – wenn wieder der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland liegt – können die Kosten für das Auslandsstudium steuerlich geltend gemacht werden.

Zu beachten ist, dass diese Einschätzung für Rechtsprechungsurteilen von Finanzgerichten beruht. Der Bundesfinanzhof hat sich als höhere Instanz mit der Fragestellung der Berücksichtigung von Kosten für ein Auslandsstudium noch nicht ausführlich auseinandergesetzt.

Es könnte der Fall sein, dass Ihr Finanzamt aus diesem Grund eine abweichende Auffassung vertritt.

In diesem Fall sollte das Finanzamt auf das Urteil des Finanzgerichts München (8-K-3952/05, vom 27.07.2007) verwiesen werden.

Um sicherzustellen, dass die Studienkosten schon in der Steuerveranlagung des entsprechenden Jahres, in dem die Kosten angefallen sind, berücksichtigt werden, könnte auch darüber nachgedacht werden, dass trotz des Auslandsstudiums ein Wohnsitz in Deutschland beibehalten wird. Dies kann auch Vorteile für die Zahlung von Kindergeld oder die Vermeidung einer Wegzugsbesteuerung haben.

Um eine Wohnung in Deutschland beizubehalten genügt es, wenn in der Wohnung der Eltern ein Zimmer bezogen wird. Allerdings muss sich der Student dann auch für mehrere Wochen im Jahr in Deutschland aufhalten. Aufenthalte von wenigen Wochen im Jahr (z. B. Zu Urlaubszwecken oder über die Weihnachtsfeiertage) genügen nicht, um einen Wohnsitz in Deutschland zu begründen.

Studium im Ausland hat steuerliche Risiken

Der Wegzug in das Ausland, um dort ein Studium aufzunehmen, birgt Risiken der Sog. Wegzugsbesteuerung in Deutschland. Hierbei werden bestimmte Vermögenswerte wie Beteiligungen an Kapitalgesellschaften besteuert, obwohl diese nicht veräußert werden.

Lesen Sie im Artikel über die Wegzugsbesteuerung, ob Sie von diesem steuerlichen Risiko beim Wegzug in das Ausland betroffen sein könnten.

WEGZUG AUS DEUTSCHLAND – GENÜGT DIE ABMELDUNG BEIM EINWOHNERMELDEAMT UM STEUERN ZU VERMEIDEN?

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