Gewerbesteuer in Halle (Saale) – wie hoch ist die Belastung tatsächlich?

 

Für Gewerbetreibende in Halle ist die Gewerbesteuer von hoher Bedeutung. Sobald der Jahresgewinn 24.500 Euro übersteigt zahlen Einzelunternehmer und Personengesellschafter Gewerbesteuer. Für Kapitalgesellschaften wie GmbH’s, UG’s oder AG’s fällt die Gewerbesteuer ab dem 1. Euro Gewinn an.

Gewerbesteuer in Halle
 

Gewerbesteuerhebesatz in Halle (Saale)

 

Die Gewerbesteuerbelastung bestimmt sich anhand des Gewerbeertrags, des Gewerbesteuermessbetrags und des Hebesatzes.

Der Gewerbeertrag ist abhängig vom steuerlichen Gewinn Ihres Unternehmens. Der Gewerbesteuermessbetrag ist deutschlandweit einheitlich und beträgt 3,5%. Den Hebesatz kann die Gemeinde selbst bestimmen. Lediglich eine Untergrenze von 200% ist zu beachten.

In der Stadt Halle (Saale) beträgt der Gewerbesteuerhebesatz 450%.

Multipliziert man Messbetrag und Hebesatz ergibt sich ein Gewerbesteuersatz von 15,75 %. Mit dieser Gewerbesteuerbelastung müssen Unternehmen in Halle (Saale) rechnen.

Berücksichtigt man jedoch die Möglichkeit zur Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer ergibt sich ein anderes Bild:

 

Einzelunternehmer und Personengesellschafter können die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen

 

Der Gewerbesteuersatz von 15,75% klingt durchaus dramatisch. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass der Unternehmensgewinn noch der Einkommensteuer von bis zu 45% sowie dem Solidaritätszuschlag unterliegt. Addiert man diese Steuersätze käme man zu einer Definitivbelastung des Gewinns von 63,225%, da die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar ist!

Um diese doppelte Belastung des Gewinns mit Einkommensteuer und Gewerbesteuer zu vermeiden, kann die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet werden.

Die Anrechnung der Gewerbesteuer ist nur bei natürlichen Personen (Einzelunternehmer und Gesellschaftern von Personengesellschaften wie GbR, OHG, KG) möglich.

Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) ist die Gewerbesteuer eine definitive Belastung, dafür beträgt der Körperschaftsteuersatzaber auch nur 15%.

Die Gewerbesteuer kann jedoch unter Umständen nicht in voller Höhe angerechnet werden. Es besteht eine Begrenzung auf einen Hebesatz von 380%. Diese Begrenzung trifft auch Unternehmer in Halle (Saale). Denn hier beträgt der Hebesatz 450%, so dass die Gewerbesteuer nicht in voller Höhe auf die Einkommensteuer angerechnet werden kann.

Wie oben dargestellt beträgt die Gewerbesteuerbelastung für Unternehmer in Halle (Saale) 15,75%. In dieser Höhe wird die Gewerbesteuer auch von der Stadt erhoben. Das Finanzamt gestattet wiederum aufgrund der Gewerbesteuerzahlung eine Entlastung bei der Einkommensteuer in Höhe von 13,3%.

Das hat zur Folge, dass die Gewerbesteuer bei halleschen Unternehmern (Einzelunternehmen und Personengesellschaften) letztendlich nur mit 2,45% zu Buche schlägt.

Trotz des relativ hohen Hebesatzes in Halle (Saale) von 450% ergibt sich nach Anrechnung auf die Einkommensteuer nur eine Belastung durch die Gewerbesteuer von 2,45%. Diese Tatsache sollten sich Einzelunternehmer und Personengesellschafter bewusst machen, bevor sie darüber nachdenken Ihr Unternehmen beispielsweise in den Saalekreis zu verlegen, wo deutlich niedrigere Hebesätze gelten.

 

Die Anrechnung kann auch ins Leere laufen

 

Andererseits kann die Gewerbesteuer zu einem großen Problem werden, wenn die Anrechnung auf die Einkommensteuer nicht wie oben dargestellt erfolgen kann.

Dies kann der Fall sein, wenn sich aufgrund der persönlichen Verhältnisse keine oder nur eine geringe Einkommensteuerbelastung ergibt, so dass die Gewerbesteuer nicht angerechnet werden kann. Hierzu kann es beispielsweise kommen, wenn aus anderen Einkunftsquellen Verluste erzielt werden (z. B. aus Vermietung), durch die Zusammenveranlagung mit dem einkommenslosen Ehepartner oder durch hohe Sonderausgaben.

Außerdem kann die Grundlage für die Berechnung der Gewerbesteuer aufgrund Besonderheiten beim Unternehmen von dem für die Einkommensteuer relevanten Jahresgewinn abweichen. Denn bestimmte bei der Einkommensteuer abziehbare Betriebsausgaben müssen bei der Gewerbesteuer hinzugerechnet werden. Hierunter fallen unter anderem Miet-, Pacht- und Leasingzahlungen, Lizenzzahlungen oder Zinsen. Durch die Hinzurechnungen kann der für die Gewerbesteuer maßgebliche Gewerbeertrag deutlich höher ausfallen als der Unternehmensgewinn, der der Einkommensteuer unterliegt. Dementsprechend fällt die Gewerbesteuer höher aus als die Einkommensteuer. Eine Anrechnung kann dann nicht in voller Höhe erfolgen. Zu einer solchen gewerbesteuerlichen Hinzurechnung kommt es allerdings erst, wenn hohe Aufwendungen entstanden sind. Erst ab einer Summe von hinzuzurechnenden Aufwendungen von 100.000 Euro kommt es zu einer Erhöhung des Gewerbeertrages. Von dem Problem sind also insbesondere größere Unternehmen betroffen.

 

Gewerbesteuer vermeiden

 

Scheitert eine Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer oder kommt es zu Hinzurechnungen, können sich erhebliche steuerliche Nachteile ergeben. Die Gesamtsteuerbelastung der Unternehmensgewinne kann auf über 63% steigen.

In diesem Fällen sollte darüber nachgedacht werden, die steuerliche Situation zu verbessern.

Durch eine Verlegung des Unternehmens in eine andere Gemeinde kann die Gewerbesteuer gemindert werden. In Gemeinden im Umkreis von Halle (Saale) liegen die Gewerbesteuerhebesätze zum Teil deutlich unter 400%. Zu beachten ist jedoch, dass es nicht genügt den Unternehmenssitz umzumelden. Anspruch auf Gewerbesteuer hat die Gemeinde, in der sich die Betriebsstätte des Unternehmens befindet. Bei mehreren Betriebsstätten ist der Gewerbesteueranspruch aufzuteilen, wobei es darauf ankommt, an welchem Standort die Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die Gewerbesteuer kann gänzlich vermieden werden, wenn keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt werden. Dies ist für Unternehmer von Bedeutung, deren Tätigkeit auch als Freiberuflichkeit eingeordnet werden könnte. Weiterhin könnte darüber nachgedacht werden, das gewerbliche Unternehmen zu spalten und wesentliche Teile des Gewinns zukünftig im Rahmen der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung zu realisieren.

 

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