MOSS-Verfahren, 13b, Betriebsfeiern und Aufmerksamkeiten – Die in der Praxis relevanten Steueränderungen 2015

Nachdem der erste Monat des neuen Jahres 2015 vergangen ist, möchten wir Sie über die Steueränderungen zum Jahreswechsel informieren, die sich für unsere Mandant als besonders praxisrelevant herausgestellt haben:

 

Einkommensteuer

Aufmerksamkeiten, Geschenke und Betriebsfeiern können steuerlich geltend gemacht werden.

Aufmerksamkeiten, Geschenke und Betriebsfeiern können steuerlich geltend gemacht werden.

  • Arbeitsessen und Aufmerksamkeiten: Es erfolgte eine Erhöhung der lohnsteuerlichen Freigrenzen von EUR 40,00 auf EUR 60,00. Das heißt Geschenke wie Blumen, Konfekt, Spirituosen die anlässlich eines Geburtstages oder einer Heirat an den Arbeitnehmer gegeben werden dürfen ab 2015 einen Wert von bis zu 60 Euro haben. Das gilt auch für Arbeitsessen. Sie dürfen Ihre Arbeitnehmer zu einem BetriebsessenAufmerksamkeiten, Geschenke und Betriebsfeiern können steuerlich geltend gemacht werden.beispielsweise bei einer Dienstreise oder bei einer besonderen Arbeitsbesprechung bewirten. Wenn die Bewirtung des jeweiligen Arbeitnehmers nicht mehr als 60 Euro kostet, ergeben sich hieraus keine steuerlichen Nachteile

 

  • Betriebsveranstaltungen: Veranstalten Sie für Ihre Arbeitnehmer einen Betriebsausflug, eine Weihnachtsfeier oder eine Jubiläumsfeier müssen Sie ggf. einen geldwerten Vorteil für Ihre Arbeitnehmer versteuern. Betragen Ihre Aufwendungen je Arbeitnehmer einschließlich Umsatzsteuer weniger als 110 Euro muss jedoch kein geldwerter Vorteil versteuert werden. Seit 2015 ist neu, dass bei einem Überschreiten der 110 Euro Grenze nur der übersteigende Betrag zu versteuern ist. Wenn also die Auswendungen je Mitarbeiter beispielsweise 150 Euro betragen, müssten 40 Euro versteuert werden. Bisher war es so, dass bei einem Überschreiten der 110 Euro Grenze für den gesamten Betrag ein geldwerter Vorteil zu versteuern war (Im Beispiel 150 Euro). Falls die Grenze überschritten wird, kann der übersteigende Betrag mit 25% pauschal besteuert werden.

 

Umsatzsteuer

  • Der begünstigte Umsatzsteuersatz für Bücher erfasst nun auch Hörbücher. Der Verkauf von Hörbüchern unterliegt nun auch dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7%
  • Unternehmer, die Ihre Leistungen Online erbringen oder im Bereich Telekommunikation, Fernsehen und Rundfunk tätig sind, haben auf besondere umsatzsteuerliche Pflichten zu achten, wenn ein Geschäft mit einer im Ausland ansässigen Privatperson geschlossen wird. Die Umsatzsteuer ist in dem Land abzuführen, in dem der Leistungsempfänger seinen Sitz hat. Wird also eine Leistung an eine Privatperson beispielsweise aus Frankreich erbracht, wäre französische Umsatzsteuer abzuführen, obwohl sich der Unternehmenssitz in Deutschland befindet. Von diesem Problem ist eine Vielzahl von Unternehmen betroffen. Insbesondere die auf elektronischem Wege erbrachten Leistungen sind sehr vielfältig. Hierunter fallen zum Beispiel der Verkauf von Software (z. B. App-Verkäufe über den Google Play Store), Webseitenerstellung, Werbeleistungen (z. B. Affiliate-Marketing, SEO-Optimierung), Verkauf von digitalem Content (Fotos, Bilder, Musik, etc.), digitale Weiterbildungs- und Informationsplattformen, sonstige Internetplattformen (zum Beispiel Reiseportale, Chatportale, Online-Spielcasinos usw.).   Damit sich die deutschen Unternehmen nicht in verschiedenen ausländischen Staaten umsatzsteuerlich registrieren müssen, wurde das sog. Mini One Stop Shop Verfahren (kurz MOSS) eingeführt. Hierdurch kann die ausländische Umsatzsteuer durch den deutschen Steuerberater bei einer deutschen Behörde, dem Bundeszentralamt für Steuern angemeldet und abgeführt werden. Es bleibt also dabei, dass der ausländische Umsatzsteuersatz bei Leistungen an ausländische Privatpersonen gilt (z. B. 20% in Frankreich, statt 19% in Deutschland). Es kommt aber zu einer erheblichen Verfahrensvereinfachung, da die Umsatzsteuermeldung und Umsatzsteuerabführung für alle europäischen Länder bei einer einzigen Behörde in Deutschland erfolgen kann.
  • Das Reverse-Charge-Verfahren, nachdem die Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet, gilt nun auch für die Lieferung von Edelmetallen, unedlen Metallen sowie von Tablet-PCs und Spielekonsolen. Das gilt grundsätzlich auch, wenn ein Unternehmer etwas als Privatperson für private Zwecke erwirbt. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Einzelunternehmen seinem Sohn zum Geburtstag eine Spielekonsole schenken würde. In der Umsatzsteuervoranmeldung wäre die Umsatzsteuer aus dem Kauf anzugeben und für den Verkäufer abzuführen. Um hier unnötige Bürokratie zu vermeiden gilt das Reverse-Charge-Verfahren erst bei Einkäufen von mindestens 5.000 Euro. Bei der Auswahl des Geburtstagsgeschenkes für den Sohn müssen somit keine steuerlichen Fallstricke beachtet werden. Erst bei Einkäufen im Wert von über 5.000 Euro sollte der Steuerberater konsultiert werden.

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